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SpurenSuche

Die Carl-Lampert-Woche 2018 steht unter dem Motto "SpurenSuche" und lädt zu vielen Veranstaltungen in allen Teilen Vorarlbergs ein.
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„SpurenSuche“, lautet das große Leitmotiv, unter dem die Carl Lampert Woche 2018 steht. In 12 Veranstaltungen macht man sich auf die Suche nach Spuren, die Menschen durch ihre Überzeugungen hinterlassen haben. Es sind aber auch Spuren der Verfolgung und des Hasses, die gesucht und gefunden werden. Und es sind Spuren, die sich bis ins Heute fortsetzen.

Sie wäre gerne Tänzerin geworden

Höhenpunkt der Carl Lampert-Woche ist heuer sicher der gemeinsame Abend mit der 93-jährigen KZ-Überlebenden Eva Fahidi. Als junge Frau wurde sie nach Auschwitz deportiert. Sie wäre gerne Tänzerin geworden. Überlebende wurde sie. In der Kulturbühne AmBach in Götzis erzählt sie am 5. November vom Überleben und auch davon, was es heißt, nach Auschwitz noch tanzen zu können.

Wer erinnert sich noch?

Viele Menschen haben - wie Carl Lampert, der Priester aus Göfis, der 1944 hingerichtet wurde - Spuren hinterlassen, obwohl sie vernichtet werden sollten. Auch an die NS-Euthanasieopfer aus Vorarlberg sollte jede Erinnerung ausgelöscht werden sollte. Gerade deshalb erinnert das Carl Lampert Forum gemeinsam mit der Kathi Lampert-Schule und dem vorarlberg museum in zwei Veranstaltungen in Götzis und Bregenz an sie.

Neue und alte Chancen

Pfarrer Alois Knecht, ein streitbarer Diener Gottes, der Schriftsteller Hans Eschelbach aber auch die vielen, die die Flucht über den Rätikon antraten, sind andere Menschen, auf deren Spuren sich man mit den Veranstaltungen der Carl Lampert Woche begeben kann. Zuletzt landet man dabei aber immer bei der einen zentralen Frage: Ob und wie ein Zusammenleben quer durch alle Kulturen und Religionen möglich werden kann? Und dieser Frage spürt der Feldkircher Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger in einem Vortrag zur Geschichte des Hasses, alten Feindschaften und den Möglichkeiten einer Gesellschaft der Vielen nach.

Die spirituelle Seite

Die historische Sicht auf die Dinge ist die eine Seite der Lampert Woche. Nie aber fehlt der spirituelle Zugang zu jenem Mann, der dem NS-Regime die Stirn bot. Heuer geschieht dieses Gedenken einerseits durch die Präsentation des neuen Lampert Liedes und andererseits mit einer Andacht und dem Gottesdienst am 13. November, dem Todestag Carl Lamperts. 
Sich zu errinnern ist nicht immer einfach, aber immer wichtig. Die Carl Lampert Woche leisten einen Beitrag dazu und sichtet  die Spuren, die jene hinterlassen haben, die spurlos hätten verschwinden sollen.

Freifahrt im VVV

zu allen Veranstaltungen der Carl Lampert Woche (ausgenommen Reise nach Linz und Hartheim). Ticket unter www.vmobil/Bus&Bahn/Veranstaltertickets

 

 

Carl Lampert-Woche 2018 

 

Termine:

Samstag, 3. November
Gegen das Vergessen - NS-Euthanasieopfer aus Götzis
VHS Götzis, Am Garnmarkt, ab 17 Uhr

Sonntag, 4. November
Alois Knecht – Ein unbequemer Diener Gottes
Kleiner Vinomnasaal, Rankweil, 17 Uhr

Montag, 5. November
Wie man Auschwitz tanzt - Carl Lampert Lecture
AmBach, Götzis, 19 Uhr
Eva Fahidi überlebte als junge Frau das KZ. Sie wäre gerne Tänzerin geworden. Heute ist sie 93 und erzählt davon, wie man auch nach Auschwitz noch tanzen kann.

Dienstag, 6. November
Gefährliche Grenze - Flucht über Silvretta und Rätikon 1938-45
Montafoner Heimatmuseum, Schruns, 19 Uhr

Dienstag, 6. November
Hass und Zusammenleben - mit Thomas Schmidinger
Carl-Lampert-Saal, Göfis, 20 Uhr

Donnerstag, 8. November
Vergessene Opfer - NS-Euthanasie im Familiengedächtnis
vorarlberg museum, Bregenz, 19 Uhr

Freitag, 9. November
3. Vorarlberger Zeitgeschichtetage - aktuelle Forschungsarbeiten aus und über Vorarlberg
Remise, Bludenz, 15-17.30 Uhr

Samstag, 10. November
"Tue deinen Mund auf für die Unmündigen!" - Schriftsteller Hans Eschelbach
Fraxern, Jakob Summer-Saal, 15 Uhr

und

Sonntag, 11. November
Götzis, Junker-Jonas-Schlössle, 11 Uhr

Samstag, 10. November
Eine Stimme für den Frieden - Alois Knecht - Pfarrer in Meiningen 1936-39
Pfarrkirche und Pfarrsaal Meinigen, ab 19 Uhr

Sonntag, 11. November
Carl Lampert singen - Präsentation des Carl Lampert Liedes
Pfarrkirche Göfis, 18 Uhr

Dienstag, 13. November - Todestag
Pfarrkirche Göfis
16 Uhr Andacht, 19 Uhr Gedenkgottesdienst

 

Carl Lampert

 

Carl Lampert stammt aus Göfis, wo er am 9. Januar 1894 als jüngstes von sieben Kindern zur Welt kam. Die Familie lebte in einfachen Verhältnissen, dennoch konnte der junge Carl nach Abschluss der Volksschule 1906 zum Staatsgymnasium in Feldkirch wechseln. Nach der Matura wählte er den Beruf des Priesters und trat im Herbst 1914 – nur kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs – in das Fürsterzbischöfliche Priesterseminar in Brixen ein. Seine erste Dienststelle trat Carl Lampert in Dornbirn-Markt an, wohin er als Kaplan berufen wurde. Hier suchte er vor allem in vielen Vereinen den Kontakt zu den Jugendlichen, die er auch in verschiedenen Schulen unterrichtete. Der mit vielen Talenten ausgestattete junge Priester Carl Lampert war schon seit längerem von Bischof Dr. Sigismund Waitz für Höheres vorgesehen worden, weshalb er durch diesen 1930 zum Studium des Kirchenrechts nach Rom gesandt wurde.

In Rom hatte Carl Lampert frohe Jahre erlebt; besonders gern hatte er Pilger aus seiner Heimat durch die Stadt begleitet. Später bezeichnete er diese Zeit als die glücklichsten Jahre seines Lebens. Von Rom aus berief Bischof Sigismund Waitz Carl Lampert am 1. Oktober 1935 nach Innsbruck. Er übertrug ihm als Offizial den Aufbau des kirchlichen Gerichts in Innsbruck in der seit 1921 bestehenden Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch. Am 15. Oktober 1938 – also in einer bewegten Zeit, wenige Monate nach dem so genannten „Anschluss“ – wurde der erst 35-jährige Paulus Rusch durch Papst Pius XI. zum Apostolischen Administrator mit allen Rechten eines residierenden Bischofs ernannt. Am 15. Januar 1939 wurde Dr. Carl Lampert zum Provikar des Tiroler Teils der neuen Administratur ernannt. Er übernahm diese Aufgabe in stürmischer Zeit mit großem Verantwortungsbewusstsein und setzte sich vehement für kirchliche Anliegen ein.
Der Innsbrucker Gauleiter Franz Hofer hatte sehr bald erkannt, dass er in Lampert den gefährlichsten kircheninternen Gegner hatte, nachdem er an Bischof Rusch aufgrund eines „Führerbefehls“ nicht herankam. Provikar Lampert trat sehr mutig gegen kirchenfeindliche Handlungen der örtlichen Gauleitung auf. Mehrmals wurde er dafür in Gestapo-Haft genommen. 

Der Leidensweg Carl Lamperts führte ihn ab 25. August 1940 durch die Konzentrationslager Dachau, Sachsenhausen-Oranienburg und wiederum Dachau. Dort wurde er am 1. August 1941 entlassen, erhielt aber in Tirol „Gauverbot“ und musste sich fortan im Gau Pommern/Mecklenburg aufhalten. Dahinter steckte ein ausgeklügelter Plan, Lampert mittels eines Spitzels der Spionage zu überführen und sein Todesurteil vorzubereiten. Dieser Spitzel schleuste sich als „Ing. Hagen“ ein und sammelte fortan das Material für den Prozess. Sein Lügenprotokoll war Grundlage der Anklage gegen Provikar Carl Lampert und führte zu einem dreimaligen Todesurteil, das schließlich am 13. November 1944 vollstreckt wurde. An jenem Tag wurde Lampert in Halle an der Saale durch das Fallbeil hingerichtet. Seine Urne wurde dort beigesetzt und nach Kriegsende 1948 nach Göfis zurückgeführt.

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