Retentionsbecken zum Schutz vor Kugel-Wetter

Hochwasserschutz am Götzner Emmebach wird ausgebaut.
Retentionsbecken zum Schutz vor Kugel-Wetter

Die Hohe Kugel und die Örflaschlucht gehören zu den beliebtesten Naherholungsgebieten der Marktgemeinde Götzis. Bis ins Jahr 1446 reicht der Name „Emmebach“ zurück, weiß das Götzner Heimatbuch zu berichten. Damals war von „die Emmy im Aeschach“ die Rede. Der Emmebach entspringt am Abhang der Hohen Kugel in rund 1200 Metern Seehöhe und fließt durch die Örflaschlucht Richtung Götzis. Die heutige Marktgemeinde ist auf dem Schwemmkegel des Emmebachs entstanden, der sozusagen das Fundament von Götzis bildet.

Der Bach hat im Laufe der Jahre öfters sein Bett verlassen und ein neues gefunden. Mehrere Regulierungen leiteten den Bach in neue Bahnen. Damit sollte er einerseits wirtschaftlich nutzbar gemacht, andererseits aber auch gebändigt werden. Große Hochwasserschäden sind etwa aus den Jahren 1762 und 1764 überliefert. Eine Regulierung von 1810 wurde bereits 1821 überarbeitet, trotzdem richtete der Emmebach dann 1846 wiederum großen Schaden an. Zwischen 1901 und 1903 wurde der Emmebach im Ortsgebiet zwischen der Säge Fend und der Bahnstrecke neu reguliert und mit Bruchsteinen sowohl in der Sohle als auch im Uferbereich ausgemauert.

Kugel-Wetter: Lokale Wetterextreme

Bekannt ist das Gebiet hoch über Götzis auch für das Kugel-Wetter. Innerhalb kurzer Zeit können bei bestimmten Wetterlagen große Mengen Regen im Einzugsgebiet des Emmebachs fallen. Mehrere künstliche Bauten sorgen dafür, dass das Geschiebe zurückgehalten wird, ein Hochwasser können diese Maßnahmen aber nicht zurückhalten.

Durch die Klimaveränderung muss in Zukunft vermehrt mit lokalen Wetterextremen gerechnet werden. Das heißt, dass auch die Kugel-Wetter noch heftiger ausfallen können. Das Bachbett des Emmebachs kann jedoch nur eine bestimmte Durchflussmenge durch das dicht besiedelte Ortsgebiet ableiten. Wird es mehr, kommt es zu Überflutungen. Im Jahr 2000 war dies der Fall. Nach dem Hochwasser musste das Bett des Emmebachs entlang des Töbelewegs erneuert werden.

Risiko minimieren                           

Um das Risiko des Hochwassers bestmöglich zu reduzieren, haben Experten in Abstimmung mit der Marktgemeinde, dem Land und dem Bund ein konkretes Projekt ausgearbeitet, das auch in Zukunft den bestmöglichen Schutz bietet. Eine Machbarkeitsstudie ergab, dass ein Rückhaltebecken die einzige Möglichkeit darstellt, die Durchflussmenge auf der „Dorfstrecke“ des Emmebachs kontrollieren zu können. Ansätze eines solchen Retentionsbeckens existieren bereits am Eingang der Örflaschlucht über dem Schwimmbad Riebe. Das Speichervolumen reicht aber nicht aus, die Wassermengen eines größeren Wettereignisses, wie sie im Fall eines 100-jährigen Hochwassers zu erwarten sind, zurückhalten zu können. „Die Ereignisse der vergangenen Jahre haben uns vor Augen geführt, dass wir künftig immer öfter mit Wetterextremen rechnen müssen. Der Schutz des dichtbesiedelten Gebiets im Götzner Ortskern muss höchste Priorität haben“, bekräftigt Bürgermeister Christian Loacker die Bemühungen der Marktgemeinde. 

Möglichst geringer Eingriff in Landschaft

Grundsatz der Planungen war es, den Eingriff in das Landschaftsbild möglichst gering zu halten. Deshalb sieht das erarbeitete Projekt den Ausbau der bestehenden Staumauer als Erddamm vor. Ziel ist es ein Speichervolumen von 47.000 Kubikmetern zu erreichen. Ist die maximale Durchflussmenge des Emmebachs von 20 Kubikmetern pro Sekunde erreicht, kann das Wasser aufgestaut und der Abfluss auf gleichem Niveau gehalten werden.

Da bei einem problematischen Kugel-Wetter in einem sehr kurzen Zeitraum große Mengen Niederschlag fallen, ist der Zeitraum in dem der Rückstau erfolgt zeitlich überschaubar. Da der Bach zwar große Mengen Wasser aus dem Einzugsgebiet talwärts führt, der Wasserstand aber relativ schnell wieder sinkt. Innert einiger Stunden kann das Wasser aus dem Staubecken kontrolliert abgelassen werden.

Der Vorteil des Retentionsraums Örfla ist, dass an der Dorfstrecke nur geringfügige Maßnahmen erforderlich sind und das Dorfgebiet vor Überflutungen geschützt werden kann. Eine Gefahrenzonenausweisung ist dadurch nicht erforderlich.

80 Prozent Förderungen für Hochwasserschutz

Derzeit laufen noch Bodenerkunden, bevor das Behördenverfahren eingeleitet werden kann. Frühestmöglicher Baustart ist im kommenden Jahr. Die Projektkosten belaufen sich auf rund 2,5 Millionen Euro. 80 Prozent davon kann durch Förderungen von Land und Bund abgedeckt werden. Die Planungsverantwortlichen gehen von einer Bauzeit von rund einem Jahr aus. Neben dem Damm muss eine neue Zufahrt für die Wartung des Retentionsbeckens errichtet werden. Der Damm selbst wird in Absprache mit den Naturschutzsachverständigen der Bezirkshauptmannschaft bepflanzt und wird sich in das Landschaftsbild fügen. „Der Zugang zum Wanderweg durch die Örfla wird auch während der Bauzeit möglich sein, damit die Götznerinnen und Götzner weiterhin das Naherholungsgebiet genießen können“, meint Loacker abschließend.

Infoabend in der VHS

Die Marktgemeinde Götzis, das Land Vorarlberg und das Bundesministeriums werden am Donnerstag, 17. Mai 2018, 19 Uhr die Projektdetails in der Volkshochschule am Garnmarkt vorstellen. Die Experten stehen an diesem Abend gerne für Fragen zum Hochwasserschutzprojekt zur Verfügung.

Fakten zum Retentionsbecken Emmebach

  • Speichervolumen: 47.000 m³
  • Zufluss: 30 m³/s
  • Grundablass: 20m³/s
  • Erddamm wegen Landschaftsbild
  • Gesteuerter Durchfluss in den Emmebach
  • Frühester Baubeginn 2019
  • Kosten: rund 2,5 Millionen Euro. Erwartete Förderung: 80 Prozent

 

Bildunterschrift: Über den Erddamm des geplanten Retentionsbeckens wird ein neuer Fußweg geführt.

 

Message