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Das Puppentheater schließt seine Türen

Im Herbst 2025 senkte sich nach 46 Jahren zum letzten Mal der Vorhang für das Puppentheater Götzis in der Kulturbühne AMBACH. Aus diesem Anlass traf sich die Götzis Kommunikation mit Elisabeth Wolber, der Gründerin des Puppentheaters.

Die Puppen sind inzwischen sorgfältig in Schränken im heimischen Keller verstaut, das letzte Regal in den Räumlichkeiten der Kulturbühne abgebaut. Wehmütig, aber gefasst schließt Elisabeth Wolber die Türen des Puppentheaters. Eine schöne, zugleich jedoch sehr intensive Lebensphase gehe nun zu Ende, erzählt die 84-jährige Puppenspielerin.

Die 84-jährige Gründerin des Puppentheaters Götzis Elisabeth Wolber.

In den 1960er Jahren war Elisabeth Wolber nach ihrem Pharmazie-Studium nach Götzis zurückgekehrt, um die Elisabeth-Apotheke – die heutige Kreuz-Apotheke – zu übernehmen. Sie gründete eine Familie und bekam drei Kinder, spürte jedoch bald, dass ihr etwas fehlte. Schon in ihrer Kindheit habe sie das Theaterspielen geliebt. Als sie im Gemeindeblatt auf eine Anzeige für einen Puppenbaukurs stieß, ergriff sie die Gelegenheit. „Ich habe es dann aber ganz anders gemacht, als die Klosterschwester es mir gezeigt hat“, erinnert sie sich schmunzelnd.

Elisabeth Wolber wollte nicht nur Puppen bauen, sondern auch die Figuren selbst entwerfen und die Geschichten dazu schreiben. Ende der 1970er Jahre besuchte sie daher Seminare am Figurentheater-Kolleg in Bochum. Dort erlernte sie die Kunst der Puppenführung ebenso wie die Herstellung von Figuren und Bühnenbildern aus unterschiedlichsten Materialien.

In ihrer Freizeit – abends und an den Wochenenden – schrieb sie Texte, zeichnete Figuren, baute Kulissen und probte für Aufführungen. Gemeinsam mit dem Rundfunksprecher und späterem Mundartdichter Rudolf Kurzemann, ihrem Mann Wolfgang Wolber und weiteren Interessierten gründete sie 1980 die Sektion Puppentheater im Spielkreis Götzis. Zu den ersten Inszenierungen zählte das Märchen „Zwerg Nase“. Da es zunächst an eigenen Räumlichkeiten fehlte, wurden Aufführungen im privaten Wohnzimmer sowie in Turnhallen von Schulen und Kindergärten veranstaltet. „Der ständige Auf- und Abbau der Bühne war sehr mühsam“, erinnert sich Wolber.

Ab den 1980er Jahren im Vereinshaus

1983 ergab sich schließlich die Möglichkeit, die damals leerstehenden Räume des Vereinshauses zu mieten. Sie renovierten die Räumlichkeiten in Eigenregie und richteten sie für den Theaterbetrieb ein. Von da an reiste das Publikum sowie auch Schulklassen und Kindergartengruppen aus ganz Vorarlberg nach Götzis, um die Aufführungen zu besuchen. „Wir waren sehr dankbar, in der Kulturbühne AMBACH spielen zu können“, betont Wolber.

Die beliebte Figur „Das kleine Ich bin ich“

Nationale und internationale Festivals

In den folgenden Jahren entstanden insgesamt 14 eigene Produktionen, inspiriert von Märchen und Kinderliteratur wie „Der Froschkönig“, „die kleine Hexe“ oder „Das kleine Ich bin ich“. Von der ersten Idee über Text, Musik, Figuren- und Kulissenbau bis hin zur Bühnentechnik und den Proben vergingen jeweils rund zwei Jahre, ehe ein Stück aufführungsreif war. „Dieser kreative Prozess hat mir unglaublich viel Freude bereitet“, erzählt die 84-Jährige. Besonders wichtig sei dabei stets das Zusammenspiel von Sprache, Musik und Bild gewesen. Ausdrucksstarke Bühnenbilder sowie die eigens für die meisten Stücke komponierte Musik etwa von Gerold Amann oder von Gerald Futscher hätten es ermöglicht, Emotionen intensiv zu vermitteln.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Das Puppentheater wurde zu nationalen und internationalen Festivals eingeladen, renommierte Regisseure aus dem Ausland suchten die Zusammenarbeit, und es entstanden wertvolle Kontakte zu anderen Bühnen. Daraus entwickelte sich schließlich auch die Idee, Gastspiele nach Götzis zu holen und das Programm zu erweitern.

Vor Rückschlägen nicht verschont
Doch neben den vielen schönen Momenten blieb das Puppentheater nicht von Rückschlägen verschont. Mit dem Tod von Rudolf Kurzemann im Jahr 2008 verlor der Verein einen wichtigen und äußerst verlässlichen Weggefährten. Während der Corona-Pandemie wurde es schließlich schlagartig still im Theater. Leere Zuschauerräume bedeuteten ein erhebliches finanzielles Risiko. Zudem wurde der Probenbetrieb zunehmend anstrengender. „Bis zuletzt spielten langjährige Mitstreiterinnen wie Regine Simma und Veronika Joschika an meiner Seite“, erzählt Elisabeth Wolber. Sie seien unverzichtbare Säulen des Puppentheaters gewesen.
Im Jahr 2025 fasste Elisabeth Wolber den Entschluss, nach den beiden Gastspielen „Petterssons Feuerwerk für den Fuchs“ und „Ich bin ein Einhorn, wer bist du?“ einen Schlussstrich zu ziehen. Trotz aller Wehmut blickt sie mit großem Stolz zurück: „Wir konnten vielen Kindern ein kulturelles Erlebnis bieten, das Freude gemacht und zugleich Gefühle vermittelt hat.“ Über Jahrzehnte hinweg habe das Puppentheater zudem das kulturelle Leben in Götzis bereichert.

Zum Abschluss richtet Elisabeth Wolber noch einen Rat an junge Menschen, die sich für Puppen- oder Theaterarbeit interessieren: „Machen Sie eine gute Ausbildung oder ein Studium. Puppentheater ist auch ein Handwerk – und dieses sollte man von Grund auf erlernen.“