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Buchpräsentation: Ein denkwürdiger Götzis-Abend

Der Vereinshaussaal AMBACH war prall gefüllt. An die 350 an der Geschichte der Marktgemeinde Götzis Interessierte hatten sich am 2. Juni zur Präsentation des dritten Ergänzungsbandes des Götzner Heimatbuches von Wolfgang Berchtold eingefunden.

Im Zentrum des Abends stand das 520 Seiten umfassende neue Buch mit dem Titel „Götzis von 1889 bis 1914. Basierend auf den Annalen des Ulrich Dünser“. Nach der Begrüßung durch Vizebürgermeisterin Edith Lampert-Deuring, begeisterte Gemeindearchivar Thomas Kirisits mit einer Buchpräsentation der Sonderklasse.

Wer eine trockene, routinemäßige Buchvorstellung erwartet hatte, wurde durch eine eloquente, humorvolle, pointierte Vorstellung überrascht. Kirisits, ganz offensichtlich selbst begeistert von dem neuen Werk, nahm die Anwesenden auf eine derart fesselnde, amüsante und sprachlich facettenreiche Art und Weise mit auf eine Reise in verschiedene Kapitel des Buches, dass, als er nach rund 40 Minuten seine Ausführungen beendete, kaum jemand sich dieses Ende herbeigewünscht hatte. Er vermittelte erfolgreich, wie Berchtold aus 2.500 Seiten „geballter Information“ aus den Dünserschen Annalen schöpfte, wie er sich aber nicht auf diese Annalen beschränkte, sondern sie durch „unzählige historische Quellen“ und viele persönliche Gespräche ausbaute. Kirisits: „Kein Weg war ihm zu weit, wenn es darum ging, an weitere Informationen zu kommen. Hier kommt Wolfgang zugute, dass er ein Urgötzner ist. Er kennt alle, und wenn er jemand noch nicht kennt – so traue ich mich zu sagen – rennt er ihm oder ihr nach, bis er oder sie ihn kennt. Und noch etwas gelingt ihm bei seinen vielen Gesprächen. Er fragt stets nach Fotos, und so wird das vorliegende Buch auch zu einer unglaublich wertvollen Sammlung historischer Aufnahmen. Alte Ansichten abzudrucken ist eine Sache, aber die alten Bilder zum Erzählen zu bringen, das ist die Kunst, die Wolfgang bravourös beherrscht.“

Die vielen spannenden Ausführungen Kirisits können nur angedeutet werden, aber einen Redeteil sollte man wiedergeben: „Wolfgang Berchtold beginnt jedes seiner Kapitel mit einem Zitat. Einmal findet sich eine für einen Historiker sehr ernüchternde Aussage Mahatma Ghandis: ‚Die Geschichte lehrt den Menschen, dass die Geschichte den Menschen nichts lehrt.‘ Und dazu eine Eintragung in Dünsers Annalen aus dem Jahre 1914, die uns alle sehr nachdenklich machen sollte: „Am 25. Dezember hl. Weihnachtsfest kamen etwa 100 Flüchtlinge in Götzis an, Ukrainer aus Bukowina und Galizien. Sie wurden hier interniert und in Quartier genommen, weil in ihrer Heimat die Russen eingebrochen waren.“

Danach zeigte Autor Wolfgang Berchtold einige Fotos aus dem Buch und erläuterte ein paar Besonderheiten jener Jahre bzw. in den Schriften von Ulrich Dünser. Da die Präsentation im Vereinshaussaal stattfand, nahm er dies zum Anlass, auch auf die Geschichte des 1890 eröffneten Katholischen Vereinshauses einzugehen. Dann erläuterte er die alten Flurnamen Törflach und Kirlach, beschrieb einige Hausnamen wie „Brunnenmachers“ und „Bucklis“, erklärte, was man damals unter einer „guten Schlittbahn“ verstand, zeigte das 1889 entstandene Gründungsfoto des „Rauch-Clubs Götzis“ und eine Bildpostkarte an eine Götzner Amerikaauswanderin, informierte über die wechselvolle Geschichte der Gasthaus-Familie Rösch und projizierte Bilder von der alten Hauptstraße auf die Leinwand, die eine ganz andere Zeit vor den Augen der Gäste entstehen ließ.

Der Abend wurde musikalisch umrahmt von Daniel Fleps und Bastian Berchtold. Die zwei begnadeten Musiker sorgten für das Sahnehäubchen auf einem Götzis-Abend, der vielen noch längere Zeit in schöner Erinnerung bleiben wird.